Sylvia Schubert und Matthias Hack sind Gesellschafter der Projekt-GmbH, die in Bad Lippspringe ein City-Outlet aufbauen wollen. Nach jahrelanger Vorarbeit steht ihr Plan kurz vor der Realisierung. 2026 soll das City-Outlet eröff nen. Wir sprachen über den nicht einfachen Weg dahin und die Veränderung, vor der Bad Lippspringe steht.
Die Gesprächspartner

Sylvia Schubert ist in Bad Lippspringe geboren. Die verheiratete Lehrerin und Mutter von zwei Kindern gehört dem Bad Lippspringer Rat seit 2009 für die CDU an. Sie vertritt Bad Lippspringe im Beirat des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) und gehört dem Finanz- und Beschwerdeausschuss an. Die Bad Lippspringerin ist Kandidatin für den neuen Rat, der in diesem Jahr gewählt wird. Der Einsatz für die Innenstadt prägt auch ihr Wahlprogramm. Sie hatte die Idee für das City-Outlet in Bad Lippspringe.

Matthias Hack ist Berater für Strategie und Kommunikation. Er vertritt den SC Paderborn 07 als Pressesprecher, leitete die Kommunikationsabteilung der Landesgartenschau in Bad Lippspringe und berät den Flughafen Paderborn/ Ahden sowie den Nahverkehrsverband Paderborn/Höxter.

Eine lange Fußgängerzone, die sich zwischen dem Landesgartenschaugelände und dem Jordan Park hinzieht. Hier befinden sich die bis zu 70 Geschäftsimmobilien, die Teil des City-Outlets werden könnten. 40 Eigentümer scheinen sich schon für diese Lösung entschieden zu haben.
Abbildung: City-Outlet Projektgesellschaft GmbH
Frau Schubert, ohne Sie würde es das City-Outlet Bad Lippspringe nicht geben. Wie ist es dazu gekommen?
Sylvia Schubert: Die Vorstellung, wie Bad Lippspringe in der Zukunft aussehen sollte, hat mich immer beschäftigt. Vor allem, was wir mit der Innenstadt machen. Leerstände, Nagelstudios, Friseure: Das reicht nicht für eine lebendige Innenstadt, man will sich dort treffen und flanieren.
Zu Beginn waren Sie allein.
Sylvia Schubert: Ich hatte von dem gescheiterten Versuch in Rietberg gelesen, dort ein City-Outlet einzurichten, bin nach Rietberg gefahren und habe dort Leute angesprochen. Zusammen mit Dr. Joachim Will von dem Beratungsfirma ecostra, die die Rietberger beraten hatte, einer Architektin aus Rietberg haben wir uns mit Andreas Bee, dem damaligen Bürgermeister, getroffen. Auch der war sofort begeistert. Dr. Will erhielt den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen.
Sylvia Schubert: Dann kam Corona. Auch das Projekt litt darunter. Trotzdem haben sich im Dezember 2020, während der Corona-Zeit, die betreffenden Immobilienbesitzer in Bad Lippspringe zum ersten Mal getroffen. Joachim Will und ein Projektentwickler waren online zugeschaltet. Die Begeisterung war groß.
Danach haben Sie sich an die Arbeit gemacht. Es stand eine Menge Arbeit an: Immobilienbesitzer anrufen und treffen, Überzeugungsarbeit leisten, den Kontakt zu Fachleuten halten.
Sylvia Schubert: Hunderte von Anrufen. Fast drei Jahre war ich allein unterwegs, habe immer wieder mit den Immobilienbesitzern geredet. Die Ängste und Befürchtungen waren dann doch größer.
Die Innenstadt lag offenbar – mit wenigen Ausnahmen – komplett am Boden .
Sylvia Schubert: Als ich mit den Immobilienbesitzern sprach, haben die berichtet, dass viele Mieter keine oder nur eine geringe Miete bezahlten, weil das Geld schlicht nicht da war. Deshalb ist der Renovierungsbedarf in der Stadt beträchtlich. Wenn man kein Geld hat, kann man nicht investieren. So sieht dann die Innenstadt aus.
Übrigens haben das einige Parteien im Stadtrat nicht geglaubt. Dort tauchten die Gerüchte auf, einige Immobilienbesitzer wollten sich bereichern. Das war und ist schlicht Blödsinn!
Matthias Hack: Es war ungeheuer wichtig, dass Sylvia Schubert keine Geschäftsimmobilien in der Innenstadt besitzt. Sie verfolgt keine eigenen Interessen. Das gilt auch für die Mitglieder der Projekt GmbH, die später entstand . Das entkräftete Vorwürfe und Gerüchte.
Sylvia Schubert: Während dieser ersten Planungsphase ist absolut nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Dabei war der Kreis der Eingeweihten nicht klein. Das alle geschwiegen haben, rechne ich ihnen hoch an. Solche Ideen und Planungen werden sonst sofort in der Luft zerrissen.Alle wollten das City-Outlet, niemand wollte das Projekt auf diese Weise zerstören.
Matthias Hacks: Mit der Gründung der Projekt-Gesellschaft wurde das Thema öffentlich.
Sylvia Schubert: Das Westfälische Volksblatt hatte schon vorher einen großen Aufmacher im Blatt. Da hat dann doch jemand geredet.
Wie ging es weiter?
Sylvia Schubert: Die Planungsgruppe hat Bad Münstereifel, das einzige City-Outlet in Europa, besucht. Dort haben nur wenige Personen die gesamte Innenstadt gekauft. In Rietberg fühlen sich die Immobilienbesitzer und Geschäftsleute bei der Planung nicht ausreichend mitgenommen. Deshalb scheiterte das Projekt dort.
Matthias Hack: Bei uns waren die Voraussetzungen besser. Die Immobilienbesitzer sollten ihre Ladenlokale behalten. Bad Münstereifel hatte kein Stadtmarketing und keine Hotels.
In Bad Lippspringe haben wir seit der Landesgartenschau eine funktionierende touristische Infrastruktur. Wir können große Projekte realisieren, das haben wir damals gezeigt. Es kam darauf an, die neue Idee in die Stadt zu integrieren und es war Sylvia Schuberts Idee und Verdienst, dass das gelungen ist.
Sylvia Schubert: Es ging uns nie um die Immobilienbesitzer, sondern um Bad Lippspringe. Wir wollen die Innenstadt retten.
Matthias Hack: Die Projektgesellschaft in Bad Lippspringe hat keinerlei ökonomische Interessen. Es geht darum, etwas für die Stadt zu tun. Um es zu betonen: Immobilienbesitzer sind nicht Teil der Projektgesellschaft.
Gab es Widerstände?
Matthias Hack: Widerstände hat es nicht gegeben. Aber wir brauchten viel Überzeugungsarbeit. In Bad Lippspringe geht es um 70 Immobilien. 40 haben wir jetzt unter Vertrag. Was wir unterschätzt haben, ist, dass jede Immobilie eine eigene Familiengeschichte hat. Da ist die Großmutter, die seit 30 Jahren einen Mieter hat, der aber seit 18 Jahren keine Miete mehr bezahlt. Dennoch will sie keinen Kündigungsvertrag unterschreiben. Das muss man akzeptieren. Deshalb sind solche Gespräche nicht einfach zu führen. Aber ein Laden, der seit Jahren so schlecht läuft, dass selbst die Miete nicht bezahlt werden kann, ist für die Innenstadt nicht gut.
Sylvia Schubert: Zuerst ist man begeistert. Dann wird klar, dass das eigene Ladenlokal renoviert werden muss, was nach 30 Jahren Stillstand einiges an Geld kostet. Die Kinder haben kein Interesse oder wohnen nicht mehr hier. Wenn dann die Projektgesellschaft anbietet, das Ladenlokal zu renovieren, aber dafür im Grundbuch eingetragen werden will, um eine Sicherheit zu haben, schwindet das Interesse.
Wie haben Sie das gelöst?
Sylvia Schubert: Die Zeit spielt eine Rolle, ich bin hartnäckig geblieben. Manchmal haben sich die Kinder der Besitzer dann doch eingeschaltet und sich für die Verträge mit der Projektgesellschaft ausgesprochen.
Matthias Hack: Drei Sachverhalte haben eine Rolle gespielt, die Zeit – die Gespräche mit Immobilienbesitzern liefen über Jahre – dann die Tatsache, dass das Projekt so ungeheuer positiv in der Bad Lippspringe verortet ist. Punkt drei verdanken wir wieder Sylvia Schubert. Sie hat Gesellschafter für eine Projekt GmbH gesucht und gefunden. So ist auch eine sechsstellige Summe zusammengekommen. Das war notwendig, um die Fachleute, die uns beraten, bezahlen zu können. Zwanzig Gesellschafter hat die Projekt GmbH. Sie haben alle ohne Eigeninteresse eingezahlt, das möchte ich betonen. Es gibt keinen Immobilienbesitzer in der Gesellschaft. Es geht, wie Sylvia Schubert gesagt hat, um Bad Lippspringe.
Die Gesellschaft hat einen dreiköpfigen Beirat gewählt. Hinzu kommt ein Mitarbeiter, der sich um die Immobilien kümmert und den Outlet-Berater Sebastian Sommer, den wir dringend brauchen, um Unternehmen zu akquirieren. Es wird später eine Treibergesellschaft geben, die sich um die Organisation des City-Outlets kümmert. Beide Gesellschaften laufen dann parallel.
Als sie so weit waren, meldete sich die Stadt Paderborn zu Wort. Die Nachbarkommune lehnte das Projekt mit Nachdruck ab und warnte.
Sylvia Schubert: Die Stadt Bad Lippspringe hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der die Sache untersuchte und dem Rat mitteilte, die Stadt Paderborn habe keine Möglichkeit, gegen uns aktiv zu werden. Wir ändern ja nicht die Nutzung der Immobilien: Geschäfte bleiben Geschäfte.
Matthias Hack: Es handelt sich um Planungen auf Grundstücken mit bestehender Einzelhandelsgenehmigung. Wir arbeiten nur in vorhandenen Bebauungsplänen und vorhandenen Genehmigungen der Stadt Bad Lippspringe.
Wir möchten mit der Stadt Paderborn gut ausgekommen. Bei der Landesgartenschau gab es auch Bedenken aus Paderborn. Wir haben uns auf eine gemeinsame Marketingaktion geeinigt – mit dem Ergebnis, dass die Stadt Paderborn die höchste Übernachtungszahl seit vielen Jahren hatte. Es wäre sinnvoll, wenn sich die Stadt Paderborn überlegen würde, wie sie an unser Projekt andocken kann.
Wie groß wird das Projekt City-Outlet?
Matthias Hack: Das City-Outlet ist eine Jahrhundertentscheidung für die Stadt. Wir gehen davon aus, dass 100.000 Besucher im Monat nach Bad Lippspringe kommen. Das ist vergleichbar mit der Landesgartenschau. Das City-Outlet wird eine dauerhafte Landesgartenschau. Während der Landesgartenschau sind 10 Millionen Euro in die Stadt geflossen.
In welchen Einzugsbereich wollen Sie Menschen ansprechen?
Matthias Hack: Bis nach Dortmund, Hannover, Kassel, Hagen, Soest oder Osnabrück. Alles, was im Umkreis von 90 Minuten Fahrzeit liegt. Die Machbarkeitsstudie geht von Kaufkraftpotenzial von 17 Milliarden Euro für das City-Outlet aus. Die Landesgartenschau ist ein gutes Beispiel für die Auswirkungen: In den Jahren 2014 bis 2017 hat Bad Lippspringe eine ungeheuren Aufschwung genommen.
Sylvia Schubert: Nur wegen eines Sakkos, das zehn Euro günstiger ist, kommt niemand nach Bad Lippspringe. Das Umfeld muss stimmen und da haben wir einiges: das Landesgartenschaugelände, wir haben große Kurparks auf beiden Seiten der Einkaufszone, die Westfalen-Therme, Hotels und den Teutoburger Wald vor der Tür. Die Leute kommen schon jetzt nach Bad Lippspringe wegen Themen wie Beauty und Wellness. Und bald können sie auch zum Einkaufen kommen.
Reichen die Parkflächen in Bad Lippspringe?
Sylvia Schubert: Wir werden einen dezentralen Parkplatz im Gewerbegebiet „Am Vorderflöß“ einrichten. Die Stadt hat bereits das Grundstück gekauft. Für diesen dezentralen Parkplatz wird ein Shuttle-Service eingerichtet, da können wir das Konzept der Landesgartenschau übernehmen.
Toll wäre es, wenn wir irgendwann das autonome Fahren – Fahren ohne Fahrer – in dieses Konzept integrieren könnten. Das wäre an sich schon mal eine Reise wert. Die zentralen Parkplätze kommen in die Stadt. Das muss dann auch etwas mehr bezahlt werden. Wir müssen nichts bauen, weil wir alles haben.
Matthias Hack: Die Parkplätze werden so anzufahren sein, dass man nicht durch die Innenstadt muss. Das Heilklima ist nicht betroffen, das ist für dem Kurort wichtig. Wir werden keinen zusätzlichen Verkehr in der Innenstadt haben und der Lieferverkehr läuft über E-Mobilität
Wie wird sich die Stadt verändern?
Sylvia Schubert: Wir werden keine tote Fußgängerzone mehr haben, sondern eine lebendige Fußgängerzone. Es kommen neue Gastronomiebetriebe in die Innenstadt. Wir haben die ersten Bewerbungen von Unternehmen erhalten. In einigen Monaten können wir die ersten großen Ankermieter bekanntgeben. Es kommen aktuelle, hochwertige Waren in die Outlet-Geschäfte. Ich habe eine Liste von 100 Firmen, die bereit sind, in Bad Lippspringe in ein Outlet zu gehen.
Was sagen den Bad Lippspringern, die fürchten, ihre Stadt nicht wiederzuerkennen ?
Matthias Hack: Die Sorge muss niemand haben. Alle Aktivitäten zahlen darauf ein, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen - auch für die bestehenden Geschäfte. Die gesamte Stadt soll profitieren!